Buntes Mexiko

Das Leben in Mexico ist tortillagelb, chillirot, kakteengün, keramikblau, bohnen- und schokoladenbraun und alle Farbschattierungen dazwischen. So bunt wie die Häuser, so fröhlich,  offen und hilfsbereit sind ihre Bewohner. Es wird häufig und gerne gesmalltakt ganz ohne Zwang oder Scheu. Die Fassaden sind bunt, aus kunstvoll geschichteten Backsteinen oder mit dekorativ verzierten Keramikplatten bekleidet. Geschickt arrangiert, gestalten Farben und Dekoration das Leben und wirken doch niemals überladen. Die Strassen sind von hohen Mauern gesäumt, tritt man jedoch ins Innere der steinernen Kolosse, öffnet sich die Decke bald zu Patios, die manchmal sogar ganzen Bäumen Platz und Licht schenken. Das laute Gewirr auf den mexikanischen Strassen ist dann schnell vergessen und die Hektik weicht bedächtiger Gelassenheit. Hier lassen sich gemütlich ein Agua Fresca (ein erfrischendes Wasser mit ein klein wenig Fruchtsaft) oder ein bis zwei Gläser vom Nationalgetränk, Mezcal schlürfen.

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Kraxeln in Mexico
Nur dreissig Minuten vom Zentrum von Mexico City befinden wir uns in einer ruhigen, dörflichen Umgebung, die Strassen sind schmal und führen entlang bunt bemalten, krummen Wänden sanft bergauf und -ab. Wir sitzen in einer seitlich offenen Halle und Susana (meine Kletterguidin) bestellt mir ein mexikanisches Omelett mit Chillis und dazu Tortillas gefüllt mit Lammfleisch und Kakteenblättern (natürlich ohne Stacheln). Wir holen uns einen frisch gepressten Orangensaft – alles sehr lecker. Langsam trudeln andere Kletterer ein. Yako, der Freund von Susana erklärt mir, dass es üblich ist, vor und/oder nach dem Klettern hier bei den Foodständen einzukehren.

Dann geht es auf zum Sektor Eins. Die Basalt-Felswand liegt wunderschön und verborgen in einem bewaldeten Tal. Obwohl mir einige Muskeln abhanden gekommen sind, klappt das Klettern ganz gut – die Technik habe ich schliesslich nicht verlernt – und abends sitzen wir zusammen mit anderen Kletterern auf der Terrasse einer mexikanischen Wohnung und stossen auf den erfolgreichen Klettertag an.

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Zum Geburtstag einen Sonnenbrand
In Puebla kaufe ich geistig ziemlich alles buntbemalte Keramikeschirr (leider viel zu schwer, sperrig und auch noch zerbrechlich) und esse ganz physisch ziemlich viel Mole (die lokale Spezialität) bestehend aus Schokoladen-Sauce über Hähnchenbrust mit Reis und – natürlich – Tortillas. Zum dahinschmelzen lecker!

In Oaxaca treffe ich auf einen super lustigen und temperamentvollen Italiener namens Simone, der mir die Qual der Wahl zwischen einem berühmten Mayatempel auf dem Monte Albán und der Quelle Hierve el Agua, abnimmt. Oder besser gesagt, der mich überzeugt, dass an meinem Geburtstag eine Quelle wohl angebrachter ist. Tatsächlich lohnt sich der holprige, Kilometer lange Schotterweg bergauf auf der Ladefläche eines Pickups. Gleich mehrere Quellen spülen an dieser Stelle Mineralien aus dem Untergrund und bringen sie blubbernd an die Oberfläche, wo sie seit vielen Jahren natürliche Pools und spektakuläre, versteinerte, weisse Wasserfälle bilden. Einer der Pools ist so gross und tief, dass er zum Schwimmen einlädt. Wir plantschen im angeblich gesunden, aber giftig grünen, Wasser und ich bin tatsächlich so entspannt, dass ich einen dermassen schlimmen Sonnenbrand kassiere, wie seit Jahren nicht mehr. In der plaudrigen Gesellschaft von Simone verfliegt die Zeit. Wir gönnen uns zur Feier des Tages ein leckeres Essen in einer lokalen Markthalle: Zum Apero Chapulines (Speiseheuschrecken) und dann natürlich Tortillas, Bohnen, Käse und mariniertrs, geräuchertes Grillfleisch. Zum Dessert gibt es die mexikanische Variante eines Crepes, mit Nutella/Philadelphia Füllung – lecker!

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Surfen mit den Pelikanen
Puerto Escandido liegt im Süden von Mexico an der Pazifikküste. Im Winter brechen hier weltklasse Wellen und ziehen Surfprofis und -interessierte an. Da ich in Hawaii nicht ein einziges Mal auf dem Brett gestanden bin, möchte ich mein Glück unbedingt versuchen und wanke noch müde von der schlaflosen Nachtbusfahrt ins nächste Surfcamp und buche zwei Surflektionen. Dann stolpere ich zurück zu meiner Hängematte und pflücke auf dem Heimweg heimlich zwei reife Mangos von den übervollen Bäumen.
Am nächsten Tag stehe ich ausgeschlafen und tatsächlich mit Surfbrett bewaffnet am Strand. Die Temperaturen sind am Morgen noch angenehm warm (ab dem Mittag brennt die Sonne unerbittlich heiss vom Himmel) und die Wellen sehen definitiv netter aus als am hawaiianischen Pipeline-Strand. Unzählige Pelikane haben die fischreiche Bucht zu ihrem Jagdrevier erkoren und warten entweder im, oder über dem Wasser auf Beute. Zusammen mit einer anderen Surfstudentin paddle ich über die Wellen zu einer Gruppe von Pelikanen. Dieser relativ wellenlose Meeresabschnitt ist unsere Warteposition. Drei bis vier Surfguides befinden sich (nur mit kurzen Enten-Flossen bewaffnet) jeweils dort, wo die Wellen brechen.

Ari, einer der Guides ist frei und winkt mir. Etwas wiederwilig reisse ich meinen Blick von den grauen Pelikanen, die mit der Schnabelspitze im Wasser gebannt die Fische unter sich beobachten. Dann beginne ich zu paddeln und sobald ich bei Ari bin hängt sich dieser an mein Brett, froh für kurze Zeit nicht schwimmen zu müssen. Dann geht er mit mir geistig nochmals die Surfschritte durch: Drei Paddelschläge, Bananenpose, hinteres Bein auf Position, vorderes Bein auf Position, mit leicht gebeugten Knien und seitlich ausgestreckten Armen die Balance halten und einige Meter vor dem Strand wieder abspringen. Dann hangelt sich Ari entlang meines Surfbrettes nach hinten und befestigt meine Fusslasche nochmals fester. Dann ruft er: ‘ready?’. Zeit zu antworten bleibt mir keine, denn er schreit kurz darauf: ‘paddel!’. Ich bin nervös, aber bereit und paddle was das Zeug hält. Ari schiebt mein Brett von hinten an, bis mich die Welle mitträgt. Ich paddle noch drei weitere Züge, Banane, Beine und schon stehe ich und surfe erstaunt, aber mit einem Lächeln im Gesicht, geradeaus, bis ich abspringen muss. Ein tolles Gefühl. So geniesse ich das Surfstudentenleben in vollen Zügen und immer im gleichen Rhythmus und unterteilt in drei Stufen:

Erste Wartestufe: Im wellenarmen Meerabschnitt warten und dabei möglichst cool wirken. Dabei die anderen coolen Surfer und Pelikane beobachten, die mich mindestens ebenso beobachten. Gleichzeitig bete ich inbrünstig, dass nichts ungewolltes von den fliegenden Pelikanen auf mich herunter pupst. Dabei versuche ich wie die anderen wartenden Surfer, möglichst cool auf dem Brett zu sitzen. Die ersten paar Mal plumpse ich beim Sitzversuch jedoch relativ uncool ins Meer und muss mich dann noch viel uncooler, mit hochrotem Kopf wieder aufs Brett hieven.

Zweite Wartestufe: Zum freien Surfguide paddeln und dann flach wie eine Flunder und jederzeit paddelbereit auf dem Surfbrett herumliegen und mit den Surfguides scherzen. Dann einen Schreck bekommen, wenn es endlich heisst: ‘Are you ready? That’s your wave!’. Anschliessend erleichtert und enttäuscht seufzen, wenn es doch nicht meine Welle war und weiter herumflundern, bis tatsächlich meine Welle kommt.

Surfen: Paddeln was das Zeug hält, Bananenpose,hinteres, dann vorderes Bein auf das Brett stellen und surfen, dann abspringen, das Bikini richten und dabei viel zu viel Meerwasser schlucken, mich umständlich wieder auf das Brett hieven und wieder zur ersten Warteposition heraus paddeln. Dort angekommen völlig ausser Atem mit müden Armen und brennenden Schultern zuerst auf dem Brett herumliegen und dann gaanz vorsichtig auf Sitz- und Beobachtungsposition gehen.
Mit der Zeit habe ich den Dreh ziemlich raus, erwische beinahe jede Welle und kann das Brett dabei sogar – zumindest ein bisschen – lenken um dann einige Meter vor dem Strand cool und kontrolliert vom Brett zu springen. Das könnte ich definitiv den ganzen Tag machen und ich nehme mir vor Surfferien einzuplanen.

Hier geht’s zur Bildgalerie Mexico

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