Aloha

Hawaiihemdträger stölzieren in kurzen Shorts und Flipflops umher und überall klimpert der Ukulelen-Song ‘over the rainbow‘ aus den Lautsprechern. Ich bin in Honolulu, der Hauptstadt der Hawaiianischen Insel O’ahu und mache mich sofort mit Badetuch, Bikini und Sonnencreme bewaffnet auf zum berühmten Waikiki-Beach. Dort angekommen unterdrücke ich den Impuls gleich wieder umzudrehen und hüpfe wie ein Hase im Zickzack zwischen den bunten Badetüchern umher. Überall liegt halbnackte, gebräunte und leuchtend-rote Haut zwischen Sonnenschirmen. Der bunte Teppich aus Badetüchern und Menschen bedeckt beinahe den ganzen Strand. Auch vom Wasser ist nicht viel zu sehen: Surfstudenten kämpfen, Brett an Brett um die kleinen Wellen.

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Aloha bedeutet für jeden Hawaiiinsulaner, den ich frage etwas anderes: Eine Grussformel unter den Hawaiiern, ‚Gutmütigkeit‘, ‚gemütlicher Lebensstil‘, ‚Liebe‘, ‚Mitgefühl‘. Der Aloha Spirit ist vielfältig und macht die kleinen Inseln im Pazifik zu einem beliebten Reiseziel.

Vom entspannten, einsamen Aloha-Strand keine Spur. Ich trete fluchtartig den Rückzug an und stoppe erst als ich auf dem Vulkankrater ‚Diamondhead‘ angekommen bin. Von oben betrachtet sieht alles viel Idyllischer aus.

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Pearl Harbour
Die exotische, kleine Insel hat einen Hafen, der in der Vergangenheit eine traurige Berühmtheit erlangte. Versenkt im Ozean schlummern die stummen Zeugen eines verherenden Angriffes. In Pearl Harbour, dem Hafen mit blutrot funkelndem Namen, erzählen Museen und Mahnmale die düstere Geschichte des Inselparadieses.

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The North Shore
Auf der Suche nach Ruhe und zumindest ein bisschen Liegefreiheit an den Stränden suche ich auf der Karte das, am weitesten von Waikiki Beach entfernte, Ziel und setze mich in den nächsten Bus mit Ziel: ‘The North Shore’.

Ich platze durch die offene Hintertüre und bin mir nicht gänzlich sicher, ob ich denn nun im richtigen Haus, nämlich meiner Airbnb-Unterkunft, stehe. Ein blondes Mädchen kommt um die Ecke geflitzt, stellt sich als Hanna vor und zeigt mir mein Kajütenbett und die Wohnung. Ich werfe meinen Rucksack in die Ecke und begebe mich sogleich auf Erkundungstour durch die kleine Stadt Haleiwa und finde mich bald am Strand wieder. Dieser ist zwar etwas weniger belebt, als in Waikiki viel ruhiger jedoch auch nicht. Ich gehe weiter, und tatsächlich werden die Menschen etwas rarer. Ich treffe auf einen einsamen dicken Hawaianer, der mir zwei riesige Schildkröten zeigt, die gemütlich im untiefen, blauen Meer herumdümpeln. Noch einige Meter weiter ist der Strand komplett leer und die blauen Wellen quellen über vor lauter Schildkröten. Auf dem Rückweg gönne ich mir einen leckeren Pokebowl (roher Fisch auf Reis). So lässt sich das Reiseleben gut aushalten, ich beschliesse zu bleiben.

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Haleiwa
Die Türen im Hostel/Airbnb sind niemals verschlossen an der Küchendecke hängen Surfboards und jeden Tag wechselt die Belegschaft. Sich immer die Namen zu merken ist schlichtweg zu kompliziert, also entwickeln Hanna und ich Spitznamen. Mike, der US-Armee Kommandant ist ‚Armyman‘ und der spirituelle-Lebenberater heisst ‚Yogaboy‘.

Dank drei (Dauer)-Gästen, die uns Airbnb-ler gerne zu Strand- und -partys mitnehmen, ist immer etwas los. Hanna singt und Levis spielt Gitarre. Manchmal stehen plötzlich Nachbarn im Zimmer, greifen sich eine Ukulele und musizieren. Manchmal hat Yogaboy seine schwachen Minuten und textet alle mit – mehr und oftmals weniger sinnvollem – spirituellem Inhalt voll oder ‚Womenizer‘ präsentiert seine Kunststücke an den, über dem Küchentisch hängenden, Ringen. Fast allabendlich legen wir entweder unter der Leitung von ‘Armyman’ oder Levis ein Workout im Wohnzimmer hin. Da Amyman jedoch dank sehr amerikanischen Essengewohnheiten, leider nur mässig mithalten kann, nimmt unter der Leitung von Levis der Schwierigkeitsgrad linear zum Muskelkater zu. Ansonsten erkunden wir die Wasserfälle im hawaiianischen Dschungel und auch die eher karge, wenn auch schildkrötenreiche, Unterwasserwelt.

Nur mit dem surfen klappt es nicht. Erst an meinem letzten Tag nimmt uns Junior, ein weit umher gereister Brasilianer, mit zum Surfen. Es geht zur Pipeline, einem Strand nicht weit entfernt von unserer Unterkunft. Im Winter finden hier Surfwettbewerbe statt. Meine Vorfreude verfliegt schlagartig, als wir vorbei an der Lifeguard zum Meer stolpern: Noch nie habe ich solch hohe Wellen gesehen. Zusammen mit Hanna traue ich mich immerhin kurz ins Wasser, werde jedoch kurz darauf, komplett sandig und total verstrubbelt wieder ans Ufer gespült. Die Wellen sind so stark, dass es unmöglich ist auf den Füssen zu bleiben, für einen Surfanfänger ist das der reine Selbstmord. Ich krieche also wieder über die Böschung zu meinem sicheren Beobachtungsposten und bestaune die Wellen und Surfer aus sicherer Entfernung und übe mit Hanna Kopf und Handstand im Sand – immerhin.

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