Malaysia.2

Eine unerwartete Überraschung
Als ich von der Sonne geblendet von meinem Navi aufschaue staune ich nicht schlecht. Ich stehe vor einem grossen, edlen, weisses Gebäude und mein Handy meint, dass ich am Ziel bin.

Während ich noch perplex und mit offenem Mund die teuren Autos in der Einfahrt begutachte, wird mir auch schon die grosse Flügeltüre geöffnet. Ich stolpere mit Blick auf den üppigen Kronleuchter an der Decke in die Lobby. Der Portier springt mir sofort entgegen um mir meinen Rucksack abzunehmen. Ich winke hastig ab, möchte ich doch nicht, das sich der liebe Mann seine blitzblanken, weissen Handschuhe und schon gar nicht das noch blitzblänkere weisse Hemd schmutzig macht.

 


Da ich bereits zwei Tage vor Ruth und Daddy in George Town auf der Insel Penang in Malaysia ankam, hatte ich mich in der Altstadt in einem gemütlichen Hostel eingenistet und schon mal den Streetfood, die schmalen Strassen mit den Wandmalereien und Arkadengängen entlang den alten Gebäuden und auch die menschenleeren, weissen Strände im Nationalpark getestet. Dann schickte mir Daddy die Adresse vom Hotel, dass er für uns gebucht hatte und so quälte ich mich Mittags mit meinem schweren Rucksack durch die brütend-feuchte Hitze.


 

Ich stehe also mit meinen Nike-Turnschuhen, denen man die weite Reise langsam ein bisschen ansieht, und den Sportleggings (multifunktional, bequem, leicht, platzsparend und schnelltrocknend – perfekt für das asiatische Klima) völlig verschwitzt, auf einem vor Sauberkeit spiegelnden, aufwändig zusammengefügten Natursteinboden und unter einem riesigen, üppig funkelnden Kronleuchter. Überall überdimensionale Vasen mit wunderschönen Blumenarrangements, edle Verzierungen an dunklen, glattpolierten Holzmöbeln und teure Perserteppiche. Irgendwie komme ich mir ein bisschen fehl am Platz vor.
Die Rezeptionistin macht ihren Job perfekt und lässt nur kurz ein Erstaunen über ihr Gesicht huschen, dass sie sofort mit einem freundlichen Lächeln kaschiert. Das Zimmer ist noch nicht bezugsbereit, aber selbstverständlich kann ich mein Gepäck einlagern und erhalte sogar eine schön gestaltete Marke mit der Nummer meines Gepäckstücks. Dann verschwinde ich fluchtartig aus der blitzblanken Eingangshalle, nicht ohne mir aus meinem Rucksack meine einzige Bluse zu angeln, damit ich mich auf dem Rückweg zumindest ein bisschen den Verhältnissen anzupassen kann. Daddy und Ruth treffen am Abend ein. Zu dritt werden wir während einer Woche Penang und auch ein bisschen die malaiische Halbinsel unsicher machen.

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Das Frühstücksparadies
Es stellt sich heraus, dass das Leben in Hotels wie dem Eastern + Oriental durchaus seine Vorzüge hat. Nachdem ich von den Hostels meist ein mickriges Toast-Coffee-and-Tea-for-free-Frühstück (das ich Dank superleckerem, obergünstigem Streetfood sowieso meist auslasse) gewohnt bin, fühle ich mich im riesigen Buffet’T’raum vom Eastern Oriental völlig überfordert. So viel Auswahl, da weiss ich weder wo anfangen, noch wo aufhören. Am ersten Morgen schaffe ich es nicht mal die ganze Auswahl zu begutachten, geschweige denn von allem zu probieren. Von Sushi über Müesli, Salat und Pancakes, Omeletten mit diversen Zutaten bis zur Noodlesoup, es gibt wirklich alles was das Herz begehrt. Sogar richtiges, dunkles Brot mit ‚Körnli‘ gibt es. Nach Monaten in Asien, wo das höchste der Gefühle mal ein völlig überteuertes Vollkorntoast ist, befinde ich mich im absoluten Frühstücksparadies. Doch dies ist nicht der einzige gute Aspekt des, direkt am Meer gelegenen, Hotels. Müde vom Stadtspaziergang flennen wir uns am Nachmittag auf die Dachterrasse, an und in den Infinity-Pool und geniessen die kühle Briese, weit über der heissen Stadt.

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Tee, Erdbeeren und Schmetterlinge
Wir packen unsere dicken Jacken aus und gleichzeitig unser Gepäck in den Mietwagen. Ruth steuert zackig durch den Linksverkehr und Daddy sitzt – erstaunlich entspannt – auf dem Beifahrersitz. Die kühle, frische Luft in den Highlands, auf der malaiischen Halbinsel, ist eine willkommene Abwechslung zu den heissen Temperaturen. Die berühmten Teeplantagen sind zwar kleiner als erwartet, doch mit dem kühlen Nebel, der nur knapp über den dunkelgrünen Teeblättern hängt, dennoch ein fantastischer Anblick.

Ausser Tee gibt es Erdbeeren und Schmetterlinge. Erstere frisch zum selber pflücken und auch zu Erdbeer-Keksen, -Konfi, -’Glasse’, -Saft, und vielem mehr weiterverarbeitet. Letztere flattern in allen Farben und grössen von Blüte zu Blüte. In den Schmetterlingsvolieren haben die Blumen Flügel. Es gibt Zitronenfalter, Fuchsschwänze und auch Tagpfauenaugen von leuchtend bunt bis gut getarnt.

 

Dschungeltauchen
Der kurze Weg bis zum Wasserfall in den Highlands ist gut beschildert und mit Platten ausgelegt. Doch bereits einige Meter nach dem Viewpoint wird der Weg zum Pfad und wir schlängeln uns zu dritt mitten durch den Dschungel. Daddy fängt die Spinnen vorne weg, und Ruth und ich ducken uns unter gefallenen Baumriesen hindurch. Der Weg ist manchmal mit gelben Schleifen markiert. Wir treffen auf eine mit dem Vermerk ‘difficult’ – was auch zutrifft. Es geht hoch und runter, die Dschungelpflanzen hängen über dem schmalen Weg und überall gibt es Spikytrees. Als wir eine Schleife mit ‘very difficult’ passieren machen wir uns doch ein bisschen Sorgen. Kann der Pfad tatsächlich noch schwieriger werden?
Plötzlich rutscht der Boden unter meinen Füssen ab und ich drohe den Hang herunter zu rutschen. Ruth reagiert sofort und hält mich fest, doch meine Hand sieht bereits aus wie der Rücken eines Stacheltieres. Natürlich habe ich mir genau einen der stachelige Palmen zum Festhalten ausgesucht. Ganz alle Stacheln bekomme ich nicht aus der Hand, sie sitzen zu tief. Ich werde wohl ein bleibendes Souvenir aus dem Dschungel mittragen.

Als der Weg schliesslich in einer Gemüsefarm endet, sind wir doch froh wieder mal aufrecht ohne bücken und ohne Ästen, Blättern und Spinnweben im Gesicht einige Schritte tun zu können. Schwitzig und dreckig vom Dschungeltauchen gönnen wir uns eine Pause im Schatten eines kleinen Unterstandes, bevor wir den steilen Rückweg antreten.

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Eine Hommage an den malaiischen Streetfood
Der Streetfood in Malaysia ist aussergewöhnlich vielfältig und geschmacksintensiv. Für ein einzelnes Gericht werden diverse Aromen miteinander auf ungewöhnliche Weise kombiniert. Besonders angetan hat es mir das borneoische ‘Laksa’ eine Nudelsuppe die ich mir gerne zum Frühstück gönne, auf Curry-Cocosmilch-Basis mit Sojasprossen, zarten Chicken-Streifen und Crevetten. Meist werden Limonen dazu gereicht, die dem würzig-spicy Gericht eine frische Geschmacksnote hinzufügt und die runden Reisnudeln lassen sich wunderbar unsittlich schlürfen. Dazu gönne ich mir einen Teh-Tarik-Halia. Der Schwarztee wird mit Ingwer aufgebrüht und mit Sweetmilk vermischt, indem er solange hin und her gegossen wird, bis sich ein luftiges Schäumchen auf der Oberfläche bildet.

Zusammen mit Ruth und Daddy esse ich mich durch eine Vielzahl an himmlisch köstlichen Nudel- und Reisgerichten und viel selbst ausgelesenem, frischen Fisch. Die Zeit vergeht wie im Flug und die beiden verlassen mich nach einer unvergesslichen Woche in Kuala Lumpur. Mein Weg führt mich weiter zu neuen Ufern und vielen Vulkanen.

Hier geht’s zur Bildgalerie malaiische Halbinsel

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