Fischmensch und Sardine in der Büchse

Tempelhöhle
Südlich von Bangkok schlafe ich meist in leeren Mehrbetthostelzimmern. Es ist immer noch Low Season und die Orte, die ich wähle befinden sich ausserhalb der normalen Touristenrouten. Meine Ausflüge führen mich vor allem in die Nationalparks. Im Kui Buri Nationalpark habe ich gleich mehrfach Glück: Da ich mich einer mürrischen Reisegruppe anschliessen kann, bezahle ich viel weniger Parkgebühr. Im Park sehen wir wilde Elefanten und dann sogar zwei der seltenen Gaur’s (grosse, muskelbepackte Rinder).

Mitten im Sam Roi Yot Nationalpark befindet sich die Phraya Nakhon Höhle. Der Weg führt durch einen Wald und steil den Berg hoch. Es ist rutschig und ich konzentriere mich jeweils auf den nächsten Schritt. Das Rauschen des Meeres verblasst langsam und auch die Grillen halten ihre Flügel still, als ich schliesslich mit dem Abstieg zur Cave beginne. Felswände schliessen mich langsam ein, es wird karg und kühl. Ich schleiche auf Zehenspitzen über den Schotterweg, darauf bedacht die Stille nicht zu stören. Manchmal fällt ein Tropfen aus unerreichbarer Höhe und platscht geräuschvoll auf den harten, erdigen Boden. Ich tauche durch eine Öffnung im Felsen, vorbei an Tropfsteingebilden und vor mir öffnet sich eine riesige, oben offene Höhle. Instinktiv blicke ich nach oben und meine Augen folgen den Sonnenstrahlen wieder hinab bis sie auf den prachtvollen Tempel im Innern der Höhle fallen. Die Vorhänge leuchten bunt im im warmen Licht. Die Ruhe ist allgegenwärtig. Einzelne Bäume strecken ihre hellgrünen, saftigen Blätter der Sonne entgegen. Ein unvergleichlicher Anblick.

Fischmensch
In Chumphon begebe ich mich auf eine Schnorchelsafari und befinde mich mit einer Horde Deutscher-Ädwänscher-Touristen im selben Boot. Wir steuern kleine, steinige unbewohnte Inseln an. Ich lege mir einen Schlachtplan zurecht, damit ich auch einige Fische sehe, bevor die blubbernde, strampelnde Meute alle Meereslebewesen verscheucht hat. Sobald wir im Wasser sind, paddle ich so schnell es geht weg von all den schnorchelnden Glubschaugen.
Die Fische höre ich wie immer bevor ich sie sehe. Es knackt und knistert unter Wasser. Die Sicht ist schlecht. Ich hohle Luft, tauche ab und bewege mich vorsichtig abwärts, immer tiefer, bis ich schwerelos bin. Das Wasser ist milchig, undurchsichtig und nur langsam zeichnen sich schemenhafte Umrisse am Meeresgrund ab. Noch ein bisschen tiefer und plötzlich sehe ich sie. Bunt und in allen Grössen schwimmen und knabbern die schuppigen Meeresbewohner über und an den Korallen. Die Luft zieht mich nach oben, doch ich will unten bleiben, halte mich an einem Stein fest und beobachte einen Teppich aus Seeanemonen. Die Strömung bläst aus immer wechselnden Richtungen hindurch und gibt den Blick auf ihre Bewohner frei. Meine Luft wird knapp. Ich schaue nach oben, eine Wolke aus kleinen Fischen zieht über mich hinweg. Die Sonne scheint unendlich weit weg. Einzelne Strahlen brechen klar durch das Nass. Ich strample schnell der zarten Wasserhaut entgegen. Es ist weit bis nach oben und als ich endlich meine brennenden Lungen füllen kann, schnappe ich hastig, hustend nach Luft.
Das Tauchen wird von Mal zu Mal einfacher. Meine Lungen behalten den Sauerstoff länger. Ich treffe einen Schnorchel-Guide unter Wasser und er zeigt mir kleine, bunte Schnecken, riesige Muscheln, Unterwasserpflanzen die sich ängstlich in ihre Wohnungen zurückziehen und gut getarnten Steinfische.

Der Thailänder bewegt sich flink, schwerelos und unglaublich lange unter Wasser. Mit seinen langen Flossen und der Taucherbrille ähnelt er tatsächlich einem Meeresbewohner. Ich blicke mich suchend unter Wasser um, der Fischmensch ist verschwunden. Ich finde ihn an der Oberfläche und er bedeutet mir, ihm zu folgen. Wir schwimmen in den Schatten der steinernen Insel. Er deutet unter sich, dann auf die Insel und taucht ab. Ich sehe wie der Fischmenschling auf die Insel zu taucht, dann ist er verschwunden. Ich zweifle, bin nervös, aber hohle tief Luft und tauche ab. Ich finde ein dunkles Loch im Fuss der Insel und zögere. Werde ich auf der anderen Seite wiederum Luft finden?
Meine Lunge beginnt bereits langsam zu protestieren, mein Herz pumpt Adrenalin durch meinen Körper und ich tauche zaghaft in die Finsternis, bis die Insel mich gänzlich verschlungen hat. Meine Flossen schieben mich vorwärts, über mir Fels, seitlich Fels und ich brauche Luft. Dann endlich färbt sich das Wasser langsam hellgrün. Tageslicht bricht durch die Dunkelheit. Wo Licht, da Luft, sage ich mir und tauche hoch. An der Oberfläche grinst mich der Fischmensch breit an, während ich noch nach Luft schnappe. Wir sind in einer Höhle. Spärlich fällt Licht durch eine Öffnung an der Decke und wird vom tieftürkisen Wasser reflektiert. Der einzige Zugang führt durch das Untermeerloch im Fels. Nun grinse auch ich und bewundere das Farbenspiel auf der schwappenden Wasseroberfläche.

Sardine in der Büchse
Noch weiter südlich begebe ich mich in den Khao Sok Nationalpark. Dort möchte ich unbedingt auf den Stausee und buche darum eine Overnight-Tour mit Übernachtung auf einem Seefloss-Bungalow. Dabei vergesse ich zu fragen, wie gross die Gruppe sein wird. Ehe ich es mir versehe, finde ich mich wie eine Sardine in der Büchse, Schulter an Schulter mit ungefähr zwanzig Nasen auf einem Longtailboat das uns in den Nationalpark fährt.
Reihen-Floss-Bungalow einchecken und schon rennen wir im Entenmarsch durch den Dschungel zu einer Höhle. Tiere sehen wir keine. Auch die kleinsten Lebewesen sind vor den erbarmungslosen Wandersandalen geflüchtet. Auf unserem Pfad kreuzen wir andere, ebenso grosse Gruppen. Der matschige Weg ist müde und ausgelatscht von den vielen Füssen.
Wir kraxeln und schwimmen durch einen Fluss, der sich durch eine atemberaubende Tropfsteinhöhle gefressen hat. Links und rechts vom Weg ist deutlich zu erkennen, an welchen sensiblen Kalkgebilden sich die Touristen abstützen um nicht zu fallen. Der Weg durch den Höhlenfluss ist jedoch trotz kuschelnder Mitwanderlingen abenteuerlich und der Guide wirklich lustig und zugleich kompetent.

Frühmorgendlich hängt ein filigraner Nebel zwischen den Baumleichen, die dem Stausee zum Opfer gefallen sind. Es ist still auf dem See und die Sonne erhebt sich langsam brennend hinter den grauen Wolken. Unser Kapitän steuert uns vorsichtig über den spiegelglatten See, zwischen den dschungelbewachsenen Kalksteinbergen hindurch. Zwei riesige Tukane mit leuchtend gelben Schnäbeln rascheln in den Blättern eines Blütenbaumes und diverse Affen klettern dicht am Ufer in den Bäumen.
Der bittere Nachgeschmack der Massenabfertigung schwingt immer mit, doch die Gruppe besteht aus spannenden, netten Leuten und so macht die Tour trotzdem Spass.

171109_PhrayaNankhon

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