Wasserfalljagt und Mangostickyrice

 Wasserfälle und Killer-Gänse
In Pakse im südlichen Laos brummelt mein Moped brav hinter Caroli her. Wir begeben uns auf eine dreitägige Wasserfalljagt über das Bolaven Plateau. Sobald das Anzeichen eines Wasserfalls sichtbar wird, biegen wir jeweils von der Hauptstasse ab. Dann pirschen wir uns langsam an, und sobald wir die fallenden Flüsse gefunden haben, schlagen wir zu und schiessen unsere Fotos.
Unsere Opfer sind hoch und breit, manchmal schwer zu erklimmen oder direkt anfahrbar. Sie sind weiss und braun, tosend und rauschend, tröpfelnd und sprudelnd und immer sehr eindrücklich.

Müde nach all der Jägerei checken wir am ersten Abend mit unseren Mopeds in einem Guesthouse direkt neben mehreren Wasserfällen ein und werden auch gleich von drei Gänsen begrüsst. Diese watscheln plump um die Ecke und auf uns zu. Wir bemerken erst spät das böse funkeln in den kleinen, dunklen Augen. Der Gänserich streckt den Schnabel waagrecht nach vorn und spurtet krähend auf uns zu. Wir reagieren schnell, ergreifen die Flucht und springen über die Absperrung zum Restaurant. Keine Sekunde zu spät. Die Gänse krächzen böse und warten vor dem Restaurant. Als wir nach einer Stärkung den Weg zu unserer Unterkunft antreten wollen, befinden sich die grau-braun-weissen Federviehe immer noch in Angriffsstellung. Wir deuten dies als Kriegserklärung und jeder von uns wappnet sich für den Kampf: Caro greift zum Brett und schlägt damit die Luft und alles was ihr zu nahe kommt in Stücke. Währenddessen ziehe ich meine Nike’s an, springe über den Zaun und sprinte in rekordverdächtiger Geschwindigkeit an den Gänsen vorbei, während Roli sein Handy hervorholt und alles filmt, sich dann heldenhaft beissen lässt, damit er anschliessend mit seiner Prellung prahlen kann.

Hier zur Bildgalerie: Kong Lor – Thakhek – Don Det – Pakse – Bolaven Plateau

Zu Fuss über die Grenze
Zurück in Pakse gönnen wir uns nach all den Strapazen eine Massage, packen anschliessend für unsere Reise nach Thailand und werden im Minibus zur Grenze gefahren. Dort werden wir ausgeladen, es geht orientierungslos zu Fuss weiter. Dank einer Frau mit blauem Käppi, die immer im entscheidenden Moment auftaucht um uns den Weg zu weisen, erreichen wir nach einem anstrengenden Fussmarsch thailändischen Boden. Abschliessend rollen wir tatsächlich – diesmal einigermassen bequem und erträglich kalt – in Richtung Bangkok. Dies ist die letzte Fahrt die ich gemeinsam mit Caro und Roli unternehme.
Pünktlich um fünf Uhr frühmorgens treffen wir im riesigen bangkoker Busterminal ein. Dann geht alles schnell. Caroli haben Glück und ergattern eine Fahrkarte für den Anschlussbus nach Süden. Todmüde verabschieden wir uns knapp, alles muss schnell gehen.
Plötzlich ist es, trotz dem lebhaften Busbahnhof, ruhig. Nach knapp zwei Monaten bin ich wieder alleine, kaufe mir verschlafen eine SIM-Karte und versuche einen einigermassen fairen Fahrpreis in die Stadt auszuhandeln. Die Sonne steigt langsam in den, noch schläfrigen Himmel, während ich über die Strassen und Brücken von Bangkok chauffiert werde.

Mangostickyrice
Bangkok ist so anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Laut ja, aber nur ein bisschen hektisch. Chaotisch, ein bisschen aber überhaupt nicht überall. Überfüllt, natürlich in den Märkten, in Chinatown und zu Stosszeiten auf den Strassen, nicht aber auf manchen Seitenstrassen und schon gar nicht in den gemütlichen Hinterhöfen.

Drei Tage reichen gerade annähernd um einen flüchtigen Eindruck von Bangkok zu erhaschen. Die Stadt ist riesig und jedes Quartier hat seinen eigenen Scharm. Ich laufe die Hauptattraktionen ab und schaffe immer nur halb so viel wie ich mir vorgenommen habe. Denn mal verführt mich eine ruhige Gasse hindurch zu schlendern, dann ein hübsches verstecktes Café und alte französische Architektur. Mal ist es ein riesiges Einkaufszentrum oder ein Park zum Verweilen die mich vom Weg abbringen. Und wenn ich mich wiedermal verlaufen habe, taucht plötzlich ein bunter Strassenmarkt auf mit unzähligen, kleinen Verkaufsständen, die alles, was das Herz begehrt anbieten: Stoff, zuckersüsses Backzubehör in allen Farben und Formen, prunkvoll funkelnde Plastik-Haarassesoires, frische Früchtestände, echte und weniger echte Handtaschen und Kleider, Lampen, Seifen und alles mehr.
Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, habe schon wieder die Zeit vergessen und stolpere bereits in ein Streetfood-Restaurant. Dort wird mitten auf der Strasse, oder dem Trottoir, mit einfachsten Mitteln gekocht was das Zeug hält. Die unterschiedlichsten Gerichte duften in Pfannen – das ist unverfälschte thailändische Küche vom Feinsten. Gegessen wird auf bunten Plastikstühlen an Plastiktischen. Es schmecken immer sehr gut und sehr scharf.

Es ist bereits wieder dunkel, als ich mich erschöpft von all den vielen Eindrücken strategisch perfekt in ein Terrassencafé direkt an einer Verkehrshauptachse setze und mir einen herrlichen Mango-Stickyrice mit leicht salziger Cocos-Sauce bestelle. Es herrscht Feierabendverkehr und Roller quetschen sich durch Nadelöhr breite Lücken zwischen den Fahrzeugen. Die frechsten der Motorradfahrer weichen geschickt auf das Trottoir aus, dann springen die Passanten in alle Richtungen davon.
Ein Polizist mit einer GoPro auf dem Helm und leuchtend oranger Weste versucht verzweifelt mit einer Trillerpfeife den Verkehr in den Griff zu bekommen. Er kämpft verbissen mit seinem kurzen, roten Leuchtschwert in der einen, und einer kleinen Taschenlampe in der anderen Hand gegen die dunkle, schwere, Abgas beladene Luft. Meistens ohne Erfolg.

Bangkok ist, wie die Grundlage des thailändischen Essens: Scharf, salzig, sauer und süss. Nach meinem Mango-Stickyrice bin ich übersatt, auch von der Stadt. Am nächsten Tag verlasse ich Bangkok mit einem Versprechen: Ich komme zurück!

Hier gehts zur Bildgalerie Laos.1
und hier zur Bildgalerie Laos.2

171031_BolavenPlateau02

172204-Bangkok_T.jpg

3 Gedanken zu “Wasserfalljagt und Mangostickyrice

  1. Liebe Tina
    danke für deinen erneut wunderbaren, leicht lesbaren, humorvollen Bericht! Tja, die Gänse! Man sagt, sie seien besser als Wachhunde! Zu gerne würde ich das Filmli von Roli zu eurer Flucht sehen 🙂 😉
    Big hug
    Mum

    Gefällt 1 Person

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