Im Bauch von Laos

— Es spielen mit —

eine schlammige und eine nasse Höhlen • Familie Elsener • espressotassengrosse Höhlenspinnen • Caroli • Stalaktitenzähne • ein Höhlenschlund


Schlammhöhle
Die ehemalige Partyhochburg Vang Vieng besticht vor allem mit einer traumhaften Umgebung. Hohe, dunkelgrün bewaldete Berge steigen steil aus den flachen, hellgrünen Reisfeldern empor. Es gibt unzählige Höhlen, die teilweise auch besichtigt werden können. Steffi und Carmen bilden, zusammen mit mir: Familie Elsener. Die beiden begleiten mich seit Luang Prabang und wir biegen mit unseren Mopeds zur Ersten der ausgeschilderten ‚Caves‘ ab. Als wir einen kleinen Holzunterstand passieren springt plötzlich ein alter Mann in seinem Unterstand auf. Wir bezahlen den Eintritt zur Höhle und fahren guten Mutes weiter.
Als wir nur noch mitten im Flussbett rollen und kein Weg mehr sichtbar ist, stellen wir die Mopeds dann doch am Ufer ab und flippen zu Fuss weiter. Durch den Fluss, neben dem Fluss, wieder durch den Fluss und noch immer keine Höhle.
Wir irren suchend am Ufer umher. Plötzlich tauchen hinter uns zwei Spanier und der alte Mann auf. Letzterer verteilt Stirnlampen und geht zügig voran. Einmal rechts um den bemoosten Stein, dann über spitze, rutschige Kalkbrocken klettern, durch den knöcheltiefen Matsch waten, dann stehen wir vor einem dunklen Eingang. Stirnbirnen an und schon rutschen wir dem erstaunlich wendigen alten Mann hinterher.

Im Innern ist es matschig und auch sehr dunkel. Manchmal funkelt es verräterisch an den Wänden und Decken. Fledermäuse schrecken auf, als unser Führer mit einem Stein gegen die Wand schlägt. Der Ton hallt hell von den Höhlenwänden. Eine nacktbeflügelte Maus flitzt nur wenige Zentimeter an meinen Kopf vorbei. Reflexartig drehe ich den Kopf und meine Stirnlampe erleuchtet eine Espressotassen grosse Spinne unmittelbar neben mir an der Höhlenwand. Die langen, hellbraunen Glieder weit ausgebreitet, leuchten mir ihre vielen Augen im grellen Licht entgegen. Der schrumplige alte Mann steht neben mir und ich frage: ‚Giftig?‘ Er nickt und geht weiter. Mit einem Sprung vorwärts folge ich ihm durch die rutschige Dunkelheit und schon bald wird es eng. Spanier hinter Carmen hinter Steffi quetschen wir uns durch ein matschiges Loch auf Bodenhöhe in die finale Höhle. Im Innern blüht uns eine einsame weisse Stalaktitenrose entgegen. Ausser weiteren Fledermäusen gibt es jedoch nichts mehr zu sehen. Also rutschen und klettern wir auf Händen und Füssen und manchmal auch mit ganzem Körpereinsatz, wieder höhlenauswärts. Dabei drehen wir unsere Köpfe schnell von links nach oben nach rechts, um auch ja alle funkelnden Spinnenaugen zu entdecken, bevor wir uns versehentlich an ihnen abzustützen versuchen.
Im Tageslicht wird klar: Die Höhle hat uns alle kunstvoll in mehreren schlammigbraunen Tönen besprachtelt. Vater und Sohn Spanier zockeln hinter dem alten Mann zurück und Familie Elsener benützt den Flusssalon.

Das Höhlenmonster
Nach weiteren Höhlenexpeditionen verlassen mich Familie Elsener in Vientiane bereits wieder, dafür treffe ich Caroli im Bus nach Kong Lor. Der Bus stoppt jedoch abrupt vor einer Brücke. Aussteigen, Gepäck fassen und im Entenmarsch über die Brücke watscheln. Wir sehen gerade noch, wie der Bus wendet und davon fährt.

Während wir auf der anderen Brückenseite geduldig das weitere Geschehen abwarten, entdeckt Roli geistesgegenwärtig beim Wässern des Flusses, dass der entscheidende Mittelpfeiler der rostig stählernen Brücke – die wir gerade zu Fuss passiert hatten – fehlt. Eine Höhenbegrenzung soll die grösseren Fahrzeuge vor dem Überqueren hindern. Den Fahrer eines Lasters schert das wenig. Die Höhenlatte wird elegant angehoben und die marode Brücke biegt sich gefährlich, hält aber Stand.

Im Tuck Tuck* geht es die vielen, letzten, holprigen Kilometer bis zum Ende des Tales. Die Landschaft ist atemberaubend idyllisch und im verschlafenen Kong Lor ist die Welt noch in Ordnung. Es verkehren nur wenige Motorräder und Tok Toks** und ab und zu ein Tuck Tuck, das die Einheimischen und die wenigen Touristen auflädt und zum nächsten Ziel bringt. Wasserbüffel und -innen grasen vermeidlich friedlich. Hie und da bücken sich Feldarbeiter mit zylinderpyramidenförmigen Strohhüten über die Reisfelder. Hunde schlafen im Schatten und ausser den Grillen und Zikaden ist es still unter dem überladenen Sternenhimmel.

Am nächsten Tag schleppen wir uns sehr früh morgens zum Fluss und werden hintereinander auf ein kleines, langes Holzboot verfrachtet und spätestens als eine riesige Öffnung im Felsen vor uns auftaucht, sind wir hellwach.
Aus dem Schlund des Berges ergiesst sich der türkisfarbene Fluss. Der süsse, kühle, steinerne Atem des Berges schlägt uns entgegen. Die Mundhöhle ist mit Stalaktitenzähnen bewaffnet. Stirnbirnen an und schon verschlingt uns der Berg gänzlich und wir fahren in rasantem Tempo durch die kurvige Dunkelheit. Der Fluss hat sich seinen verschlungenen Weg durch den Fels gefressen. Unterbergs erwartet uns der Blick auf flach gespülte Felswände und Hohe decken. Manchmal tropft es nass ins Boot und abstrakte Kalkgebilde tauchen in den kleinen Lichtkegeln unserer Lampen auf. Unser Fährmann dreht den Kopf schnell von Links nach Rechts, um auch ja jede Untiefe, Kurve und auch tief hängende Stalaktiten im spärlichen Hell zu entdecken.

Nochmals um eine Biegung, dann legen wir am steinigen, unterirdischen Ufer an. Ein Weg windet sich Unterlands durch den Bauch des Berges und zwischen riesigen, beleuchteten Kalkkunstwerken hindurch, bis wir am anderen Ufer wider in unser Boot steigen. Die rasante Fahrt geht weiter. Fledermäuse begleiten uns knapp über der Wasseroberfläche fliegend. Der Fahrtwind lässt uns frieren und wir sind froh, dass vor uns langsam ein Licht auftaucht. Meter für Meter brummt unser Boot dem Ausgang entgegen. Zuerst ist es nur blendend hell, dann langsam werden die Höhlenwände farbig und als wir aus den tiefen des Untergrundes auftauchen, ist die Welt heller, satter, lauter und bunter als zuvor.


* Tuck Tuck, das; hier: Kleinlaster mit seitlichen Sitzbankreihen auf der Ladefläche, die von einem offenen Metallgestell und Dach umschlossen sind. Dient vorwiegend dem Personentransport, kann aber auch Gepäck, Lebensmittel, lebende Hühner, etc. transportieren.

**Tok Tok, der; Einachser oder Einachsschlepper auch Einachstraktor, der meist vor landwirtschaftliche Geräte gespannt wird.

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