Dschungelgrün

Laos ist hüglig, bergig und vor allem grün. Zusammen mit Caroli schlage ich mich, wo immer möglich mit schnell trocknender Kleidung und Schuhen, Regenschutz, Moskitospray und manchmal auch auf dem Kayak in die Büsche.
In Houayxay begeben wir uns zum Gibbon Experience Office und erschrecken ab den hohen Preisen. Doch dies ist definitiv eine der Angelegenheiten in Laos, die man einfach gemacht haben will, also entscheiden wir uns den Knebelvertrag zu unterzeichnen und packen unseren Tagesrucksack für eine drei tägige Dschungeltour.

Eine Rutsch-, Rüttel- und Holper-Partie
Ein Jurassic-Park-Fahrzeug pickt uns auf und bereits nach einer Stunde biegt das Fahrzeug von der asphaltierten Strasse ab. Wir stoppen ganz in der Nähe eines Flusses: Pipi-/ Trinkstop. Sobald alle wieder aufgeladen sind, rollen wir langsam direkt auf den Fluss zu und noch bevor wir uns fragen können, wo denn nun die Strasse weitergeht, befinden wir uns bereits mitten im oberschenkeltiefen Flussbett.
Danach windet sich die schlammige rutsch und holper Strecke immer weiter in die Wildnis. Manchmal stoppen wir unterhalb eines steilen Hanges, dann können wir kurz durchatmen und die Arme ausschütteln, bevor wir uns wieder an das Metallgestänge klammern und der Driver mit Vollgas bergauf spult. Bergab schlittern wir auch mal von der einen Strassenseite zur anderen. Der Metallkäfig bewahrt uns vor den Ästen am Strassenrand, in die wir mit Schwung rutschen. Nach zwei Stunden unsanfter Schüttel- und Rutschtour taucht ein kleines Dorf auf und wir werden ausgeladen.

Baumhäuser, Ziplines, Mücken und Blutegel
Ein humorvoller Belgier vervollständigt unsere Vierergruppe. Während drei Tagen watscheln wir im Entenmarsch hinter Phia und vor Bee (unseren Laotischen Führern) auf Trampelpfaden durch die Wildnis. Wieder Erwarten treffen wir im Dschungel keine anderen Menschen. Stapfend, zippend und rutschend versuchen wir uns vergeblich die Blutegel und Mücken fern zu halten. Leider sprechen unsere Führer nur ein bisschen Englisch. Doch zum Glück wissen wir bereits von anderen Dschungeltouren einiges über die dschungolanische Pflanzen und Tierwelt und können Rattan von Kardamom und Tausend- von Hundertfüssern unterscheiden (Füsse zählen).

Übernachtet wird in zwei unterschiedlichen Baumhäusern, die nur via Zipline erreicht werden können und sogar fliessend Wasser und Mückennetze führen. In der Baumkrone lässt sich der Dschungel und die Vögel noch besser beobachten. Nur die erhofften Gibbons lassen sich nicht blicken.
Am Abend singt uns die Dschungelmusik in den Schlaf, in der Nacht besuchen uns Ratten, Ameisen und Fledermäuse und am Morgen entschädigt der atemberaubende Blick über die Baumwipfel für die schlaflosen Momente. Auf meiner Liste steht ein neuer Traum: Ein eigenes Baumhaus über dem Dschungel. Es riecht nach exotischen Pflanzen. Orchideen blühen am Baumstamm. Am Morgen besuchen mich die Gibbons und in der Nacht hangle ich mich über die Zipline, dem Sternenhimmel entgegen.*

Mekongfahrt
Dreckig, stinking, müde aber überglücklich kehren wir aus dem Dickicht zurück und am nächsten Morgen wartet bereits das hölzerne Slowboat auf uns. Der braune Mekong windet sich durch den Westen von Laos und wir schaukeln gemütlich während zwei Tagen flussabwärts, Luang Prabang entgegen. Links und rechts vom Fluss erheben sich Hügel und steile Berge. Überzogen von einem Teppich aus Dschungel.
Mittel- und dunkelgrün, blass- und sattgrün, blatt- und blumengrün, moos- und flechtengrün, bananen- und palmgrün. Üppig wogt der Dschungelteppich über den Hügeln und Bergen. Ab und zu durchstossen von Baumriesen, die ihre braunen Äste über das Geflecht aus Laub strecken. Reisfelder bilden kahle, knallig grüne Wunden und spitze dunkelgraue und braune Felsen reissen Löcher in die Decke aus Bäumen und Ranken. Der Mekong und die knappe Schicht aus Uferfelsen darüber, bilden den Saum. Der grüne Waldteppich spiegelt sich im braun des Wassers und reflektiert blasstürkis auf der glatten Wasseroberfläche.

Meist fliesst der starke Fluss sachte und ruhig im Flussbett. Doch manchmal tauchen karge Steine auf und beschleunigen das Wasser. Dann hat der Fährmann alle Hände voll zu navigieren und die hellbraune Oberfläche kräuselt sich. Der Spiegelteppich ist verzerrt und abstrakt durchbrochen von weissen Schaumkronen. Es benötigt zehn Jahre Erfahrung, um ein Mekongschiff sicher durch die Untiefen zu steuern.
Während sich unsere Fahrt dem Ende nähert, erhält der Mekong Verstärkung und gewinnt an Breite und an Verkehr. Schon bald dreht sich unser Holzschiff ein letztes Mal gegen die Strömung und legt behutsam im Hafen vor Luang Prabang an.

*sorry für den kitschigen Ausrutscher

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4 Gedanken zu “Dschungelgrün

  1. Hey Tina
    Gestern Samstag, 21.10.2017 haben sich, dir bekannte, drei Geschwister in Kerns OW getroffen; nämlich Helen, Irma und Fredy. Dabei kam mir zu Ohren, dass du einen Blog führst über deine Reise. Und heute, an einem verregneten Sonntag, habe ich mich durch deine Zeilen gelesen. Ich bin überwältigt… wie hervorragend du Situationen und Dinge beschreiben kannst.. umwerfend..ich glaubte doch tatsächlich, diesen Bären, den du uns aufbinden wolltest, zu spüren.
    Deine Reise sollte eigentlich zuletzt wieder nach Finnland führen, damit du den Yaris zurück kaufen kannst.
    Und dann diese wunderschönen Fotos!!!
    Ich freue mich schon auf deine nächste Geschichte……
    Lass es dir gut gehen. ich drücke dich ganz fest und sende liebe Grüsse auch von Aschi
    Irma

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