Kambodschas Wasserbüffel

Wir fahren via Kampong Chhnang bis nach Pursat im Südwesten von Kambodscha. In der kleinen Stadt halten so wenige Touristen, dass uns die Einheimischen wo immer wir auftauchen, hinterher blicken oder manchmal sogar mit offenem Mund stehen bleiben, damit sie uns in Ruhe begutachten können. Auch im Restaurant kommt es vor, dass das Servicepersonal uns keine Sekunde von der Seite weicht und uns sogar beim Essen zusieht. So viel Aufmerksamkeit ist mir höchst unangenehm.

Nach harten Verhandlungen mieten wir in der Stadt zwei halbautomatische Mopeds zu einem einigermassen akzeptablen Preis und folgen der Strasse in Richtung Kardamongebirge bis zu einer roten ‚Dirtroad‘, die sich durch üppiggrüne Reisfelder windet. Wir weichen Schlaglöchern und Steinen aus und heben die Füsse beim Durchqueren der tieferen Dreckpfützen. Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichen wir unser Ziel: Ein milchig-blaugrüner Fluss windet sich durch den Dschungel. In unseren Flipflops rutschen wir, den ‚Waterfall‘-Schildern folgend, flussaufwärts.

Es stellt sich heraus, dass der vermeintliche Wasserfall eher eine grössere Stromschnelle ist. Denn das Wasser fliesst zwar schneller und weist ein stärkeres Gefälle auf, von fallendem Wasser kann jedoch nicht die Rede sein. Die Stromschnelle ist zwar schön anzusehen, jedoch auch nicht sonderlich speziell eindrücklich und unter ‚Wasserfall‘ hatten wir uns wiedermal etwas anderes vorgestellt. Der Fluss an sich, der Dschungel und die Landschaft sind jedoch umwerfend schön, so dass sich der lange, holprige Weg doch gelohnt hat.
Auf dem Rückweg lässt Roli es sich natürlich nicht nehmen, sich mit den Einheimischen in den kalten Fluss zu setzen und als wir zurück zum Moped-Parkplatz flippen, treffen wir auf buddistische Mönche, die uns sofort anlachen und sich mit uns ablichten lassen wollen. Ich stelle mich neben einen der Mönche und obwohl ich genügend Abstand wahre ist es dem dunkelorange gekleideten, Glatzköpfigen plötzlich doch unwohl und der opulte Mann macht eilig einen Satz zurück und versteckt sich hinter Roland – Mönchen ist es verboten Frauen zu berühren.

Auf der Rückholperfahrt kommen wir an ganzen Herden von grasenden Wasserbüffeln vorbei. Einige sind direkt am Flussufer mit einem Strick angebunden und liegen im kühlenden Nass. Nur der Kopf mit den langen, schweren Hörnern erhebt sich aus dem braunen Wasser. Wir halten an und schiessen Fotos von den wiederkäuenden Wesen, die uns mit dunklem Blick böse anschauen. Plötzlich erhebt sich der am nächsten liegende, massig schwere Körper mit erstaunlicher Geschwindigkeit aus dem Schlamm. Caroli starten sogleich ihren Roller und düsen los. Doch mein Moped will einfach nicht anspringen.

Die Wasserbüffelin* springt mit Leichtigkeit die sattgrüne Böschung hoch, ohne ihren Blick von mir zu wenden. Nochmals drehe ich den Schlüssel auf OFF, hastig wider auf ON und drücke abermals den Startknopf. Doch das Moped gibt nur knarzende Töne von sich. Adrenalin schiesst durch meinen Körper. Als ich geistig und moralisch schon fast panisch alles stehen und liegen lasse und davonstürze, springt das Moped plötzlich an. Ich drehe den Gashebel bis zum Anschlag auf und flitze mit spulenden Reifen davon, kurz bevor die schnaubende Büffeline mich erreicht. Zittrig hole ich schnell zu Caroli auf und werfe eilig einen Blick über die Schulter. Die Wasserbüffelin steht auf dem Weg. Der Strick durch ihre Nase verhindert jedoch, dass sie uns folgt. Dennoch schnaubt sie uns böse hinterher.

Unsere Zeit in Kambodscha neigt sich bereits dem Ende zu und schon bald startet unser Flieger nach Luang Prabang – Laos wir kommen.


*Wasserbüffelin, die; Bubalus arnee, an Wassernähe gebundenes, heute nur noch in Asien vorkommendes stattliches Wildrind.
Nach langer Recherche und eingehenden Diskussionen mit Caroli sind wir fast ganz einstimmig zum Resultat gekommen, dass es sich hierbei um einen weiblichen Wasserbüffel gehandelt haben muss. Dies aus dem Grund, da die dunklen Hörner zwar eine immense Grösse hatten, die elegante Geschwindigkeit des Sprunges aus dem Nass, sowie die temperamentvolle Entschlossenheit und der tödlich schöne Blick des Tieres jedoch eindeutig weiblich waren. Dennoch ist dies eine Vermutung, da sich die Wasserbüffel Männchen nicht gross von den Wasserbüffelinnen unterscheiden und wir in der Hitze des Gefechtes leider keine Zeit fanden, das eindeutige Erkennungsmerkmal am hinteren Ende des Tieres ausfindig zu machen. Wir sind diesbezüglich für jeden Hinweis aus der Leserschaft dankbar.

Hier geht’s zur Bildgalerie Kambodscha.1
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170929_Wasserbüffel.1.jpg

Ein Gedanke zu “Kambodschas Wasserbüffel

  1. Guuuuut 🙂 🙂 Toller Beitrag – da hast du nochmal Glück gehabt! Von einer Wasserbüffelin möchte niemand niedergetrampelt werden! Big Hug Mum

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