Verschollene Brücke und Mopedstau

Zielflughafen Siem Reap
Die Sonne brennt vom Himmel und mir schlägt heisse feuchte Luft entgegen, als ich das Propellerflugzeug in Siem Reap verlasse. Was die Chinesen nicht schaffen, ist für die Kambodschaner ein leichtes Spiel. Das E-Visum habe ich bereits einige Tage zu vor bequem online bestellt und auch online zurückerhalten – ganz ohne stundenlangem Kampfanstehen vor der Botschaft. So macht Reisen spass.

Müde aber glücklich nach meinem Marathon durch den Bangkoker Flughafen nehme ich meinen Backpack entgegen, spaziere durch die Passkontrolle und werde im Tuktuk durch die lebendige Stadt chauffiert. Im Hotel treffe ich auf Caro und Roli. Zu dritt werden wir Kambodscha und später auch ein bisschen Laos unsicher machen.

Mit dem Flugzeug habe ich nicht nur eine Zeitzone übersprungen, vor allem habe ich einen kulturellen Hüpfer absolviert. An jeder Ecke werden getrockneter Fisch und exotische Früchte verkauft. TukTuk-Driver warten im Rudel, wie hungrige Hyänen, auf potentielle Kundschaft und Roller flitzen über die holprigen Strassen.
In der Hauptstadt Phnom Penh erkunden wir Tempel und goldene Paläste. Auf den Bambusmatten am überfüllten Nightmarket essen wir bunte Krabbenspiesse und anderen, superleckeren Khmer-Food.

Kambodschas dunkle Vergangenheit
So fröhlich und geschäftig die Einwohner und Städte sind, so schwer wiegt die Geschichte Kambodschas. Damit niemals vergessen wird, was die Bevölkerung während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer durchleben musste, können Foltergefängnisse und ‚Killing Fields‘ besichtigt werden. Vor allem letzteres berührt mich sehr. Zwischen den Massengräbern liegt – nicht wie ich zuerst vermutet hatte – Abfall, es sind Kleidungsstücke der getöteten. Bei genauerem hinsehen sind Zähne und Knochenreste dazwischen erkennbar. Im Innern der Stupa sind die Schädel übereinander gestapelt. Es sind viele, sehr viele und das ist nur eines von unzähligen ‚Killing Fields‘. Die einfachen Tötungswerkzeuge liegen daneben. An den Schädeln ist erkennbar, ob ein Bambusstab, eine Axt, ein Spiess oder Hammer verwendet wurde.
Trotz, oder vielleicht auch gerade weil die Geschichte des Landes bedrückende, entsetzliche Phrasen enthält, sind die Leute freundlich und hilfsbereit, lächeln oft und sind zu Spässen aufgelegt.

Die verschollene Brücke
Im kleinen, verschlafenen Kampong Cham ist die Hauptattraktion eine befahrbare Bambusbrücke, die sich vom Festland auf eine Insel im Mekong spannt. Wir mieten einen Rollen und fahren ganz wie die Einheimischen zu dritt zwischen den Schlaglöchern hindurch und über rote Erd-Steinpisten. Immer auf der Suche nach dem Bambuswerk der Brückenbaukunst.
Brücken finden wir zwar einige, doch keine davon ist aus Bambus. Wir fragen bei Einheimischen nach. Das Bambuskonstrukt wird jedes Jahr während der Regenzeit weggespült. Dann ist die Insel nur auf dem Schiffsweg erreichbar. Es ist gerade Regenzeit und weil der Bambusbau extrem aufwändig ist, soll in der nächsten Trockenzeit eine Betonbrücke das Meisterwerk ersetzen. Enttäuscht quetschen wir uns wider auf unser Moped und erkunden die Landschaft rund um die Stadt. Ganz umsonst war unsere Fahrt nicht. Die üppige, tropischgrüne Landschaft am Mekong und die Tempel sind umwerfend schön. Wir essen Lotusblütensamen und sehen uns uralte Steintempel mit kunstvollen, Skulpturen und Reliefs an.

Die Suche nach dem Wasserfall
Mit dem Bus geht’s weiter Richtung Süden, nach Kampot. Die Langstrecken Busse machen jeweils alle paar Stunden einen Stopp. Es wird gemütlich gerastet, das Plumpsklo kann aufgesucht werden und es sind immer auch Essensstände mit Früchten, Khmer-Currys und manchmal auch essbarem Krabbelgetier vorhanden.

Wir befinden uns mitten in den Nationalfeiertagen Pchum Ben. Während fünfzehn Tagen ehren die Khmer ihre Verstorbenen und Geister, in dem sie ihnen Essen und Opfer bringen und die Pagoden besuchen. Darum sind viele Läden und Restaurants geschlossen. Die Besitzer sind entweder mit ihren Familien unterwegs oder ihnen sind schlicht die Zutaten ausgegangen. Denn auch die Bauern und Strassenmärkte bleiben meist geschlossen.
Wir mieten zwei Roller und düsen los, um einen idyllischen Wasserfall aufzusuchen, dort zu baden und gemütlich ein bisschen zu lesen. Doch bereits am Stadtrand beginnt der Verkehr zu stocken. Es geht harzig vorwärts und als wir auf die staubige Erdpiste abbiegen stehen wir tatsächlich Moped an Motorrad an Auto im Stau. Tapfer kämpfen wir uns auf der schmalen, holprigen Strasse Meter für Meter bergaufwärts. Als es gar nicht mehr fährt, parken wir die beiden Roller am Strassenrand und legen das letzte Stück zu Fuss zurück. Eine Treppe führt steil den Berg hoch. Es ist heiss und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Durchgeschwitzt stehen wir schliesslich auf dem glitschigen Felsen im seichten Fluss, direkt unterhalb des Wasserfalls. Wasser ist jedoch zwischen all den Menschen nur schwer erkennbar. Ganze Familien sitzen voll bekleidet im Fluss und schiessen Selfies. Irgendwie haben wir uns das mit dem idyllischen Wasserfall anders vorgestellt.

Als der Verkehr schliesslich dreht und alles wieder bergab rollt, stellen wir uns auch in die Motorfahrzeugschlange. Es dauert lange, sehr lange, bis wir endlich aus der Verkehrsmasse ausbiegen können. Wir finden ein gemütliches, abgelegenes, ruhiges Restaurant mit Holzterrasse, schlürfen drei gekühlte, frische Kokosnüsse und geniessen den Blick über den Fluss und ins Grüne.

Hier geht’s zur Bildgalerie Kambodscha.1
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