Visum-Workshop in Almaty

Schlaflos im Nachtzug
Wiedermal ist die Nach im Nachtzug alles andere als erholsam, denn meine liebe, schwangere Kombüsengenossin holzt im Radikalschlag ganze Wälder ab und das in einer Lautstärke, wogegen meine Oropax absolut machtlos sind. Dabei dreht sie sich rastlos auf der schwankenden Liege hin und her. Ich ergreife die Flucht und klettere lautstark die Leiter von meiner ‚Upper‘-Liege herunter, verkrümle mich auf den Gang und stehe lesend und dösend, bis der Geruch von frischem Kaffee mich in den Speisewagen lockt.

Auf der Suche nach den Chinesen
In Almaty angekommen verfrachte ich nur kurz meinen Rucksack im Airbnb – bloss nicht hinsetzten, ansonsten wäre ich auf der Stelle eingeschlafen – und mache mich auf die Suche nach dem chinesischen Konsulat.
Schon von Weitem sehe ich hohe, mit Stacheldraht besetzte Mauern. Davor befinden sich metallene Abschrankungen für die Warteschlange. Zum Schutz vor Sonne und Wetter durch ein Dach abgeschirmt. Wie komfortabel, juble ich innerlich und beschleunige meine Schritte. Die Warteschlange ist inexistent, vor den hohen Mauern herrscht gähnende Leere. Verwirrt blicke ich umher. Bin ich hier richtig? Sind die Öffnungszeiten auf der Website falsch? Bin ich schon zu spät?

Auf der anderen Strassenseite stehen einige Sicherheits- und drei junge Leute. Ich frage nach und die beiden Mädchen, die ein Studentenvisum beantragen wollen, sprechen sogar Englisch und erklären mir, dass die Botschaft in einigen Minuten wieder öffnet. Der Junge versteht uns zwar, ist aber zu schüchtern um auf Englisch zu antworten. Während wir warten, erzählen mir die Drei abwechselnd und kichernd, was ich in Almaty alles besichtigen und probieren soll: Pferdefleisch in allen nur erdenklichen Variationen und vergorene Stutenmilch, Beschbarmak (das Kasachstanische Nationalgericht), Tschack-Tschack (Kekse) und so weiter.

Visum Workshop mit Pritt-Stift
Wir sind die einzigen Wartenden und schon bald öffnet sich die massive Metalltüre und wir dürfen ins Innere der Botschaft. Ein grosser Marmorsteintisch befindet sich in der Mitte der Schalterhalle. Darauf befindet sich eine Schale mit Kugelschreibern, Scheren und Pritt-Stift. Darum herum sind bequeme Stoffstühle platziert. Plötzlich befinde ich mich in einem Workshop zum Ausfüllen von Visum-Formularen. Ganz anders als in Astana, sitzen wir um den Tisch und präsentieren unsere Unterlagen der jungen Konsulat-Mitarbeiterin. Die Mädchen kleben, tuschelnd ihre Fotos auf und füllen letzte Formulare aus, wobei die Konsulatorin bei Unklarheiten hilft.

Diesmal habe ich die Formulare 2014 nach einiger Recherche in den Tiefen des Internets gefunden. Die Chinesin prüft alles. Visumformular: gut. Foto entspricht den Vorgaben und ist aufgeklebt: gut. Einladung von China: gut. Reiseroute und Bestätigungen: gut. Flugbestätigungen nach und von China: gut. Aufenthaltsbewilligung Kasachstan: Sie blickt mich fragend an. Ich zeige ihr nochmals mein Kasach-Visum. Eilig verschwindet die Dame mit meinen Unterlagen im benachbarten Raum und schliesst die Türe hinter sich.
Als sie nach einigen Minuten zurück kommt, schüttelt sie den Kopf. Ein Visum für China kann nur von Einwohnern von Kasachstan und von jenen, die in Kasachstan arbeiten oder studieren beantragt werden. Dann der endgültige Todesstoss: Touristen in Kasachstan erhalten kein Visum für China.
Frustriert verlasse ich die Botschaft. Drei volle Tage habe ich mit Recherche, Reiseplanung, Buchung von Flügen und Unterkünften und vor allem mit dem Anstehen vor der Botschaft in Astana verbracht und dann das!

Routenplan-B
Ich steuere in eines der zahllosen Hipster-Terrassen-Restaurants direkt neben einem kleinen Bach, mit bequemen Sesseln, Kronleuchtern, Vorhängen, Blick ins Grüne und bestelle mir einen Pferdefleisch-Salat ‚and a glass of white wine‘. Prost.

Nach dem zweiten leeren Weissweinglas cancle ich alle meine Buchungen in China, öffne Googlemaps und gehe alternative Routen durch. Überland via Russland: keine Option da mein Visum bereits abgelaufen ist. Überland via Kirgistan, Tadschikistan, Afghanistan, Pakistan, Indien Richtung Asien: Durchaus reizvoll. Doch bereits bei der Recherche nach dem Afghanischen-Visum stosse ich auf Berichte, die davon abraten (wenn nicht im Heimatland beantragt). Da ich im Moment die Nase von Konsulaten relativ voll habe, piepe ich meine Freundin Caro, die mit Roli seit beinahe einem Jahr auf Asien-Tour ist, an. Caroli befinden sich gerade in Kambodscha und klar bin ich willkommen. Ich buche den Flug via Bangkok nach Siem Reap und freue mich auf die Reisegesellschaft in Kambodscha und darauf in den nächsten Tagen in aller Ruhe und ganz ohne Visum-Stress die kasachstanische Wald-Stadt Almaty zu erkunden.

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