Von Kanus und Fischen

Direkt am Flussufer in der Nähe vom schwedischen Dorf Koppom, befindet sich das Kanu-Basiscamp vom Abenteuerteam. Mein hellroter Weggefährte parkt im hohen Gras, das Zelt wird aufgeschlagen und der Schlafsack ausgerollt. Der Lachs brutzelt bereits über dem Lagerfeuer.

Wir bilden eine elfköpfige Truppe, die von Stephan und seinem kanu- und abenteuererfahrenen Team instruiert wird: Vorne wird gepaddelt / hinten wird gepaddelt und gleichzeitig gelenkt und auch noch gefischt. Geschlafen wird im Zelt, gekocht über dem Feuer, die Dusche befindet sich im See oder Fluss, und der Rest wird in, um und vor allem hinter den Büschen erledigt. Bald schon werden die Kanus zu Wasser gelassen, wir teilen uns in Zweier- und Dreier-Kanus auf und paddeln um die Wette.

Am zweiten Tag bin ich am Steuer. Bald erhält unser bananengelbes Zweier-Kanu den Spitznamen ‚Kreuzer‘. Zurecht, denn ich steure zielsicher abwechselnd das linke und dann das recht Flussufer an. Zum Glück ist mein Frontmann geduldig und befreit sich immer schnell wider aus den Büschen und Dornen. Nach einer privaten Zusatzlektion vom Kanu-Chef steuere ich immerhin meistens nur knapp an den Hindernissen vorbei und traue mich sogar die Angel auszuwerfen.

Schon bald zieht es an der Schnur. Freudig ziehe ich den Fang zum Kanu, aus dem Wasser und erschrecke mich gründlich: Es ist ein Fisch! Fassungslos sehe ich meinen Paddelfrontmann fragend an: Festhalten und töten. Zu Befehl Käpten! Der Fisch zappelt, fächert seine Rückenflosse auf und fixiert mich gleichzeitig mit dem allerbösesten Blick, den ich jemals gesehen habe. Schnell werfe ich den fischgewordenen Teufel heldenhaft in hohem Bogen und mit einem selbstlosen Schrei über Bord. Wir sind gerettet.

Zum Glück sind die Fische, die an den Angeln der anderen Kanus anbeissen viel netter und es gibt fast jeden Abend selbstgefangenen Barsch oder Hecht – fachmännisch gewürzt und über dem Feuer gebraten.
Wir übernachten an den allerschönsten Orten, die sich in Wassernähe befinden, backen Pizza, snacken Bonbons und Keckse, hören LaLa-Songs und das Wetter meint es gut mit uns. Für schwedische Verhältnisse ist es warm und vor allem sehr sonnig, so fällt das Baden im kühlen Gewässer nicht ganz so schwer. Wir sind schnell ein eingespieltes Team und am Lagerfeuer wird trompetet, gelacht und gesungen.

Nach acht unvergesslichen Tagen paddeln und zelten freuen sich alle auf eine richtige Dusche und ein richtiges Bett und es trennen sich unsere Wege. Ich nehme viele schöne Erinnerungen und Erfahrungen mit nach Oslo.

3 Gedanken zu “Von Kanus und Fischen

  1. Wunderschön beschrieben, liebe Tina! Bin froh, dass du es so gut hast und viel Positives erlebst. Und ich freue mich, auch weiterhin daran teilhaben zu dürfen! Herzlich Brigitt

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  2. Wunderbar beschrieben. Mach weiter so mit deinen Erlebnissen und es war mir eine Ehre, anfänglich im Gestrüpp gelandet zu sein! Dein paddel- und lalala-frontmann.

    Funky regardz,

    Beni

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